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Genauigkeitswahn ausgehebelt

28.12.2015

 

von Sonja Steger

 

 

Genauigkeitswahn ausgehebelt

 

von Sonja Steger

 

Traumbilder. Die Augen versuchen das Gesehene scharf zu stellen. Vergeblich. Zum Glück, meine ich. Die vage Offenheit, das Erahnenkönnen verleiht den Fotografien, bei denen Heinz Innerhofer das Stilmittel der Unschärfe einsetzt, verwirrende Tiefe und Sogwirkung. Die Phantasie des Sehenden wird befeuert, der rationale Genauigkeitswahn ausgehebelt. Nicht von Ungefähr tragen diese Serien Titel wie nacht, metamorphose und traum. In meiner Erinnerung taucht das Fragment einer Erzählung auf – möglicherweise von Ingeborg Bachmann. Aufgrund starker Kurzsichtigkeit nimmt die Protagonistin die Welt nur verschwommen wahr. Als sie sich eine Brille zulegt, ist sie geschockt von dieser „neuen“ Wahrnehmung und entschließt sich, diese wieder abzulegen und in ihre Welt der Klarheit in der Unschärfe zurückzukehren. Auch die Erinnerung an dieses Stück Literatur ist verschwommen und führt zu den Werken von Heinz Innerhofer zurück. Manchmal fühlen sich diese Fotografien wie Erinnerungen an. Mal ehrlich, wer kann schon mit Bestimmtheit sagen: so war es „wirklich“. Erinnerungen sind meist auch – bewusste oder unbewusste – Erfindungen. Um Erinnerungen festzuhalten schreibt manch einer seine Erlebnisse in Tagebüchern nieder. An ein Tagebuch oder Wochenbuch lässt auch Heinz Innerhofers Projekt „53 x 3+“ denken. Ein Jahr lang hielt er sein Lebensumfeld mit drei Fotos pro Woche fest. Daraus entstand eine Ausstellung mit 156 Bildern, die von zeitgenössischer Musik begleitet wurden. Der Fotograf sucht und schätzt den Austausch mit anderen künstlerischen Disziplinen. Er bediente sich einer Technik aus Auf-Ab oder Hin-Her Bewegungen. Diese Technik fand auch bei den hier abgebildeten Fotografien aus der Serie Langeoog Anwendung. Weshalb Heinz Innerhofer von dieser Art von Fotografie fasziniert ist beschreibt er folgendermaßen: „Ich versuche Dinge so anzusehen als sehe ich sie zum ersten Mal, um an ihnen bisher unbeachtete Aspekte zu entdecken. Dies erfordert etwas an Zeit, etwas an Einlassen und etwas an Offenheit für Neues. Im Grunde geht es um ein Vergessen, ein Ausklammern des gewohnten Sehens. Dies gelingt nicht immer, weil es leichter ist zu lernen als zu vergessen. Für mich besteht auch eine Anlehnung an die analoge Fotografie, denn ich sehe erst nach der digitalen Entwicklung, am Bildschirm die ersten Ergebnisse.“

 

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